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Warum ziehen viele Pferde am Zügel? Weshalb fühlen sie sich schwer in der Hand an, obwohl sie gesund sind? Und wie gelingt es, dass ein Pferd sich selbst trägt und schließlich sogar nahezu ohne Zügeleinwirkung geritten werden kann?

Mit genau diesen Fragen beschäftigt sich Ariane Telgen seit vielen Jahren. Doch in den vergangenen Monaten hat sie sich ein ganz persönliches Ziel gesetzt, das ihre Sicht auf die Hilfengebung noch einmal grundlegend verändert hat:

Eines Tages möchte sie ihr Grand-Prix-Pferd eine Dressurprüfung der Klasse S ausschließlich über Halsringhilfen reiten.

Was zunächst wie eine spektakuläre Herausforderung klingt, ist in Wahrheit das Ergebnis einer konsequenten Suche nach immer feinerer Kommunikation zwischen Pferd und Reiter.

Die Erkenntnisse, die Ariane auf diesem Weg gewonnen hat, haben selbst sie als langjährige Ausbilderin überrascht. Genau darüber spricht sie ausführlich im neuen Hof Eicheneck Podcast.

Warum legen sich so viele Pferde auf den Zügel?

Viele Reiter kennen das Problem.

Das Pferd fühlt sich schwer an.
Es zieht nach vorne.
Es stützt sich auf die Hand.
Man hat ständig das Gefühl, das Gewicht des Pferdekopfes tragen zu müssen.

Oft entsteht daraus ein Teufelskreis.

Der Reiter hält etwas stärker dagegen.
Das Pferd drückt noch mehr gegen den Zügel.
Der Reiter nimmt erneut mehr Kontakt auf.
Die Hilfen werden immer gröber.

Was häufig als Ungehorsam oder mangelnde Ausbildung interpretiert wird, ist in vielen Fällen lediglich das Ergebnis einer Kommunikation, die sich über Jahre in eine ungünstige Richtung entwickelt hat.

Dabei möchte kaum ein Pferd dauerhaft auf der Hand des Reiters liegen.

Weniger Zügel bedeutet oft mehr Kontrolle

Diese Aussage klingt zunächst widersprüchlich.

Schließlich vermittelt der Zügel vielen Reitern Sicherheit.

Doch genau diese Sicherheit führt häufig dazu, dass der Zügel unbewusst zur wichtigsten Hilfe wird.

Dabei ist er eigentlich nur ein kleiner Baustein innerhalb der gesamten Kommunikation.

Ein gut ausgebildetes Pferd reagiert in erster Linie auf:

  • den ausbalancierten Sitz,
  • feine Gewichtsverlagerungen,
  • die Schenkelhilfen,
  • die Körperspannung des Reiters,
  • kleine Veränderungen der Energie.

Der Zügel sollte diese Hilfen lediglich ergänzen – nicht ersetzen.

Je feiner die übrigen Hilfen werden, desto weniger Bedeutung bekommt die Hand.

Warum das Halsringreiten mehr ist als eine Show

Wer Bilder von Pferden sieht, die ausschließlich mit einem Halsring geritten werden, denkt häufig an Zirkuslektionen oder Freiheitsdressur.

Doch tatsächlich kann das Halsringreiten ein hervorragendes Werkzeug sein, um die eigene Hilfengebung zu überprüfen.

Denn plötzlich funktioniert vieles nicht mehr, was vorher über den Zügel kompensiert wurde.

Der Reiter erkennt sehr schnell:

  • Sitze ich wirklich ausbalanciert?
  • Reagiere ich rechtzeitig?
  • Nutze ich meinen Sitz überhaupt bewusst?
  • Versteht mein Pferd meine Gewichts- und Schenkelhilfen?

Der Halsring verzeiht keine unklaren Signale.

Genau deshalb kann er ein unglaublich wertvoller Lehrer sein.

Die größte Überraschung

Auf dem Weg zum Halsringreiten stellte Ariane Telgen fest, dass sich nicht nur die Kommunikation veränderte.

Auch die Bewegungsqualität der Pferde begann sich deutlich zu verbessern.

Viele Pferde wurden:

  • lockerer im Rücken,
  • durchlässiger,
  • zufriedener,
  • selbsttragender,
  • feiner in der Anlehnung,
  • deutlich leichter in der Hand.

Der Grund dafür liegt auf der Hand.

Wenn das Pferd nicht permanent über den Zügel ausbalanciert wird, beginnt es deutlich stärker, seinen eigenen Körper zu organisieren.

Es übernimmt Verantwortung für seine Balance.

Genau dort beginnt echte Selbsthaltung.

Feine Hilfen entstehen nicht in der Hand

Viele Reiter versuchen, ihre Hände ruhiger zu halten.

Dabei beginnt feines Reiten an einer ganz anderen Stelle.

Die wichtigste Hilfe sitzt im Sattel.

Ein ausbalancierter Sitz ermöglicht es dem Pferd überhaupt erst, den Reiter richtig zu verstehen.

Erst wenn der Sitz klar wird, können Schenkel und Hand immer kleiner werden.

Das Ziel ist niemals, möglichst wenig zu tun.

Das Ziel ist, genau das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun.

Warum auch Freizeitpferde davon profitieren

Viele glauben, solche Überlegungen seien nur für ambitionierte Dressurreiter interessant.

Das Gegenteil ist der Fall.

Gerade Freizeitpferde profitieren enorm von einer feineren Kommunikation.

Ein Pferd, das sich selbst trägt,

  • bewegt sich gesünder,
  • belastet Rücken und Gelenke gleichmäßiger,
  • entwickelt mehr Freude an der Arbeit,
  • bleibt langfristig leistungsfähiger,
  • und lässt sich entspannter reiten.

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man Dressur, Gelände, Working Equitation oder einfach entspannte Ausritte liebt.

Ein Pferd, das den Reiter leichter versteht, wird in jeder Disziplin sicherer und zufriedener.

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Der neue Hof Eicheneck Podcast

In der aktuellen Podcast-Folge spricht Ariane Telgen ausführlich über ihren Weg zum Halsringreiten und erklärt, warum diese Erfahrungen ihre tägliche Arbeit mit Pferden nachhaltig verändert haben. Außerdem wird es passend zum Podcast ein ausführliches Praxistutorial geben, in dem Ariane die wichtigsten Übungen Schritt für Schritt demonstriert.