Pferd in gute Hände abgeben
Warum die Suche nach dem richtigen Zuhause oft schwerer ist als der Abschied
Warum Menschen ihr Pferd abgeben
Nicht jede Abgabe geschieht aus finanziellen Gründen. Tatsächlich gibt es zahlreiche Situationen, in denen die Entscheidung aus Liebe zum Pferd getroffen wird.
Dazu gehören beispielsweise:
- gesundheitliche Einschränkungen des Besitzers
- familiäre Veränderungen
- Zeitmangel
- berufliche Veränderungen
- Krankheit oder Alter des Pferdes
- ein Pferd, das andere Aufgaben benötigt
- Sicherheitsgründe
- unterschiedliche Vorstellungen zwischen Mensch und Pferd
Manchmal stellt man nach Jahren fest, dass das Pferd bei einem anderen Menschen glücklicher werden könnte. Das einzugestehen, erfordert Mut – und vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Das schlechte Gewissen reist immer mit
Viele Pferdebesitzer berichten, dass sie die Entscheidung monatelang oder sogar jahrelang vor sich herschieben.
Nicht, weil sie keine Lösung suchen.
Sondern weil sie Angst haben.
- Was passiert, wenn der neue Besitzer nicht ehrlich ist?
- Wird mein Pferd wirklich so behandelt, wie versprochen?
- Wird es ausreichend versorgt?
- Darf es alt werden?
- Wird es weiterverkauft?
- Landet es irgendwann doch beim Schlachter?
Diese Gedanken beschäftigen nahezu jeden verantwortungsvollen Pferdehalter.
Geld ist nicht immer das wichtigste Kriterium
Interessanterweise zeigt die Erfahrung vieler Pferdemenschen:
Ein hoher Kaufpreis garantiert kein gutes Zuhause.
Ein kostenlos abgegebenes Pferd bedeutet ebenfalls nicht automatisch ein schlechtes Zuhause.
Viel wichtiger sind Fragen wie:
- Wie lebt das Pferd dort?
- Welche Erfahrung bringt der neue Besitzer mit?
- Welche Motivation steckt hinter dem Interesse?
- Passt das Pferd überhaupt in dieses Umfeld?
- Wird auf seine körperlichen und seelischen Bedürfnisse eingegangen?
Der Mensch hinter der Anfrage ist oft entscheidender als der Preis auf dem Kaufvertrag.
Besonders schwierig: Alte oder kranke Pferde vermitteln
Während gesunde Freizeit- oder Sportpferde häufig viele Interessenten finden, sieht die Situation bei anderen Pferden ganz anders aus.
Dazu gehören:
- Senioren
- chronisch kranke Pferde
- Pferde mit Verletzungen
- unreitbare Pferde
- ehemalige Sportpferde
- schwierige Charaktere
- Pferde mit Traumata
Hier wird die Suche oft zu einer echten Geduldsprobe. Leider gibt es immer wieder Menschen, die genau solche Situationen ausnutzen. Versprochen wird ein liebevoller Gnadenbrotplatz. Später stellt sich heraus, dass das Pferd verkauft, weitergereicht oder sogar geschlachtet wurde. Solche Fälle sorgen regelmäßig für Schlagzeilen und erschüttern die gesamte Pferdewelt.
Wie kann man sich absichern?
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es leider nie. Dennoch gibt es Möglichkeiten, das Risiko deutlich zu reduzieren.
1. Den Interessenten genau kennenlernen
Nehmen Sie sich Zeit. Führen Sie mehrere Gespräche. Lassen Sie sich Bilder und Videos schicken. Besuchen Sie den Stall persönlich. Lernen Sie möglichst auch Familienmitglieder kennen.
2. Nicht unter Zeitdruck entscheiden
Je größer der Druck, desto größer wird häufig die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Gerade diese Kompromisse bereuen viele später.
3. Einen Vertrag individuell gestalten
Je nach Situation können beispielsweise folgende Punkte sinnvoll sein:
- Vorkaufsrecht
- Rückgaberecht
- Weiterverkaufsverbot ohne Zustimmung
- Informationspflicht
- regelmäßige Updates
- Besuchsrecht
- Eigentumsvorbehalt
Nicht jede Regelung ist juristisch in jedem Fall durchsetzbar – sie kann aber dennoch klare Erwartungen formulieren.
4. Eigentum behalten
Eine Möglichkeit besteht darin, das Pferd nicht zu verkaufen, sondern lediglich zur Verfügung zu stellen.
Der neue Halter übernimmt Versorgung und Verantwortung.
Der ursprüngliche Eigentümer bleibt jedoch Eigentümer des Pferdes.
Gerade bei jungen oder besonders emotional verbundenen Pferden kann dies eine sinnvolle Lösung sein.
Wenn das Pferd plötzlich zurückkommt
Manchmal entwickelt sich alles anders als geplant.
Es kommt vor, dass neue Besitzer feststellen, dass das Pferd doch nicht zu ihnen passt.
Auch das ist keine Schande.
Schlimm wird es erst dann, wenn das Pferd kommentarlos weiterverkauft wird.
Deshalb bevorzugen viele Pferdebesitzer heute Vereinbarungen, nach denen das Pferd zunächst wieder zum ursprünglichen Eigentümer zurückkehrt.
So lässt sich verhindern, dass aus einem geliebten Familienmitglied irgendwann ein "Wanderpokal" wird.
Joey – ein Beispiel, das viele bewegt hat
Viele Zuschauer kennen Joey bereits aus zahlreichen Videos. Seine Geschichte zeigt sehr eindrucksvoll, wie schwierig selbst eine sorgfältig geplante Vermittlung sein kann. Die Entscheidung entstand nicht aus finanziellen Gründen. Vielmehr stand die Überlegung im Mittelpunkt, Joey ein Zuhause zu ermöglichen, in dem er noch mehr Aufmerksamkeit, Beschäftigung und passende Aufgaben erhält. Um ihn langfristig zu schützen, wurde bewusst entschieden, das Eigentum nicht vollständig aufzugeben. Stattdessen blieb Joey rechtlich im Besitz seiner bisherigen Eigentümerin. Eine Entscheidung, die sich später als richtig herausstellen sollte. Denn völlig überraschend kam Joey kurze Zeit später wieder zurück.
Verantwortung endet nicht mit der Abgabe
Viele glauben, mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag sei alles erledigt.
In Wirklichkeit beginnt für viele Besitzer genau dann eine neue emotionale Phase.
Man fragt sich:
- Wie geht es ihm heute?
- Hat er neue Freunde gefunden?
- Wird er verstanden?
- Vermisst er mich?
- War die Entscheidung richtig?
Diese Gedanken kennen viele Menschen, die ein Tier aus Liebe abgegeben haben.
Die wichtigste Frage lautet eigentlich:
Nicht:
Wer zahlt den besten Preis?
Sondern:
Wo bekommt mein Pferd das beste Leben?
Wer sich diese Frage ehrlich stellt, trifft Entscheidungen oft völlig anders.
Noch tiefer in das Thema eintauchen
Die emotionale Seite einer Pferdeabgabe lässt sich kaum in wenigen Worten erklären. Hinter jeder Entscheidung steckt eine eigene Geschichte, viele Zweifel und oft auch Erfahrungen, aus denen andere Pferdebesitzer viel lernen können.I m aktuellen Podcast spricht Ariane Telgen sehr offen darüber, warum Pferde manchmal trotz großer Liebe abgegeben werden, welche Fehler sie selbst im Laufe der Jahre gemacht hat, welche Warnsignale sie heute ernst nehmen würde und weshalb Joeys Geschichte sie nachhaltig geprägt hat.
Wer selbst vor einer ähnlichen Entscheidung steht oder verstehen möchte, warum eine Abgabe manchmal sogar der größte Liebesbeweis sein kann, findet dort viele persönliche Einblicke und Denkanstöße.
Häufig gestellte Fragen
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