Wie schwer darf ein Reiter sein?
Über Verantwortung, Rücksicht und das richtige Maß
Wer schon einmal in die Augen eines Pferdes geblickt hat, weiß: In ihnen liegt eine stille Sprache voller Vertrauen, Sanftheit und Stärke. Sie tragen uns – im wahrsten Sinne des Wortes – durch Wälder, über Felder, durch Prüfungen, Träume und manchmal auch durch Krisen. Und doch ist es gerade dieses „Tragen“, über das wir offen und ehrlich sprechen müssen.
Denn mit jeder Reitstunde, jedem Galopp, jeder Volte stellen wir eine Frage an unser Pferd:
Kannst du mich tragen – körperlich, mental, gesund?
Und damit kommen wir zu einem Thema, das für viele unangenehm ist – aber wichtig: Wie schwer darf ein Reiter für aktives Reiten sein?
Nicht aus Oberflächlichkeit, sondern aus Respekt. Nicht aus Leistungsdruck, sondern aus Liebe.
Mehr als eine Zahl auf der Waage
Natürlich, es gibt Richtwerte. Studien sprechen davon, dass ein Reiter nicht mehr als 15 bis 20 Prozent des Pferdegewichts wiegen sollte – inklusive Sattel. Bei einem 500-Kilo-Pferd wären das etwa 75 bis 100 Kilo Gesamtlast. Aber so einfach ist es nicht. Denn zwischen Schwarz und Weiß liegt eine Welt aus Grautönen – oder besser gesagt: eine Welt aus Individualität.
Ein muskulöses, breites Kaltblut kann oft deutlich mehr tragen als ein filigranes Araberfohlen. Und ein Reiter, der zwar schwer ist, aber mit geschmeidigem Sitz, feiner Hand und innerer Ruhe reitet, belastet sein Pferd oft weniger als jemand mit zappeligen Beinen, hartem Zügel oder starren Bewegungen.
Es ist nicht nur das Gewicht. Es ist, wie wir es tragen.
Aktives Reiten – ein Tanz, keine Last
Aktives Reiten ist mehr als nur „oben sitzen“. Es bedeutet, mit dem Pferd zu arbeiten – es zu fordern, zu fördern, es durch feine Hilfen zu führen. Es geht um Versammlung, Schwung, Dehnung, Balance. All das verlangt dem Pferd viel ab – körperlich und geistig.
Ein zu hoher Druck von oben kann diesen Tanz aus dem Gleichgewicht bringen. Die Muskeln verspannen sich, der Rücken senkt sich statt sich aufzuwölben. Und manchmal verliert das Pferd die Lust am Mitmachen – leise, fast unmerklich.
Ein Ohr, das nicht mehr zuckt. Ein Rücken, der nicht mehr schwingt. Ein Blick, der leerer wird.
Und genau deswegen ist es so wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein: Fordere ich zu viel?
Verantwortung ist kein Verzicht – sie ist Fürsorge
Niemand sollte sich dafür schämen, wenn die eigene Figur, das Alter oder bestimmte Lebensumstände mehr Gewicht mit sich bringen. Wichtig ist nur, wie wir damit umgehen. Denn Verantwortung heißt nicht, aufzuhören zu reiten – sondern bewusster zu reiten.
Vielleicht bedeutet es:
-
ein Pferd zu wählen, das zum eigenen Körperbau passt
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feines Reiten zu lernen
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den Sattel passend zu wählen
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gemeinsam mit dem Pferd Muskulatur aufzubauen
Disziplin nicht nur vom Pferd zu verlangen
Und wenn dein Pferd sprechen könnte?
Vielleicht würde es sagen:
„Ich trage dich gern – solange du auch mich trägst. In deinem Herzen. Mit deiner Achtsamkeit. Mit deinem Mut, ehrlich hinzusehen.“
Reiten ist ein Geschenk. Kein Recht. Und schon gar kein Selbstzweck. Jeder Ausritt, jedes Training ist ein stiller Pakt zwischen zwei Wesen: Ich vertraue dir – vertraust du mir?
Die ehrlichste Antwort darauf beginnt nicht mit einer Zahl, sondern mit einem Gefühl.
Dem Gefühl, das dich fragt: Was kann ich tun, damit du gesund bleibst – mein Pferd?
Reiten mit Herz und Disziplin
Wie schwer ein Reiter sein darf? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Aber eins ist sicher: Wer mit Achtsamkeit, Respekt und Ehrlichkeit reitet, reitet nie zu schwer. Denn wahre Leichtigkeit entsteht nicht durch ein geringes Gewicht – sondern durch eine große Liebe. In diesem Podcast für Kanalmitglieder spricht Ariane Telgen darüber wie sie das Thema sieht, was ihrer Meinung nach der Schlüssel dafür ist und wie sie sich und ihre "Reiter" fit hält.
Häufig gestellte Fragen
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